iPad – Das Gerät, das die Welt nicht braucht und trotzdem kauft
Geschrieben am 29.01.2010 um 8:00 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Apple, Review, Technische Geräte und so.
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Und da ist es nun also, das iPad. Vorher viele Gerüchte um Namen, Design und dergleichen, nun haben sich diese Gerüchte wirklich bewahrheitet und Apple hat gestern Abend (naja, in San Francisco wohl eher gestern Nachmittag) ihr neues Tablet mit Touchscreen vorgestellt. Ihr habt wohl bestimmt schon davon gehört und ich möchte nur kurz auf die Hardware selber eingehen, denn Zahlen sind nicht immer besonders attraktiv.
Hardware
Das Gerät besitzt einen 9.7″-Multitouchscreen, was soviel heisst, wie dass man mehrere Finger für die Gesten verwenden kann. Das (der?) iPad wird in 6 verschiedenen Versionen ausgeliefert: Jeweils mit 16GB, 32GB oder 64GB Flash-Speicher. Von jedem Gerät gibt es dann noch eine Version mit 3G (Internet übers Mobilfunknetz) und WLAN (Wi-Fi) oder nur mit WLAN-Zugriff. Wie man es sich vom iPhone gewohnt ist beinhaltet das Gerät einen «Kippsensor», der alle möglichen Bewegungen registriert und somit Homepages in den horizontalen oder vertikalen Modus drehen kann oder als Steuerung bei einem Game verwendet werden kann. Verbaut ist ein 1GHz-Prozessor. Der Akku prahlt mit sagenhaften 10 Stunden Laufzeit, aufgeladen wird dieser wie beim iPhone über das Dock-Connector-Kabel via USB (angeschlossen an einen stromliefernden Anschluss, wie z.B. beim MacBook oder sonstigen Notbooks, PCs, Netbooks oder natürlich den «Power-Adapter» von Apple). Ansonsten hat das Teil noch Lautsprecher, Mikrofon, Kopfhöreranschlüsse, jedoch kein USB-Anschluss!
Das wärs also von der Hardware her gesehen. Mehr kann man auf der Apple-iPad-Seite sehen.
Software
Auf dem iPad läuft eine abgwandelte, neue Version des iPhone OS – kein Mac OS! Zusätzlich dazugekommen ist der iBook-Store, worüber man später diverse eBooks kaufen kann. Natürlich sind bisherige Programme, wie Kalender, Kontakte, Karten, Videos, Youtube, iTunes, iPod, Mail, Fotos und AppStore auch auf dem iPad vorhanden. Diese Programme wurden jedoch alle extra für den iPad neu geschrieben, damit die Bedienung auch schön flüssig funktioniert. Alle Apps im AppStore funktionieren auch ohne Anpassungen auf dem iPad. Desweiteren hat Apple eine spezielle Version von iWork fürs Tablet geschrieben und so kann man damit auch seine Präsentationen, Tabellen oder Textdokumente gestalteten – alles per Touchscreen!
Meine Meinung
Bei der Präsentation des Tablets sah man ganz klar, dass das iPad ein tolles Produkt ist. Es sieht gut aus, die Bedienung so innovativ, einfach und flüssig wie auf dem iPhone. Auch die neu entwickelten Programme sehen toll aus – da kann man wirklich nichts sagen.
Natürlich gibt es in der ganzen Sache auch noch ein «, aber»! Denn man muss sich mal folgende Punkte vor Augen setzen:
- Das iPad (ich bleibe mal bei «das») ersetzt kein iPhone
Denn das iPad ist eigentlich, etwas simple gesagt, ein gross geratener iPod touch. Er sieht auch optisch so aus, was etwas enttäuschend ist, denn gerade vom designerischen hätte man bei Apple gerne auch mal etwas Neues gesehen. Doch zurück zum Thema. Es ersetzt kein iPhone, denn: Man kann damit nicht telefonieren. Skypen ist möglich, da 3G-Zugriff von überall möglich ist, aber das ersetzt immer noch kein Handy. Es ist zudem zu gross und doch «zu unhandlich» um es überall hin mitzunehmen.
- Das iPad ersetzt kein Netbook, kein Notebook, keinen Mac
«It’s the best way to browse the internet!», sagt Apple. Doch das Teil hat (noch) nicht einmal Flash! Somit wäre es für viele schon mal recht unbrauchbar. Hier haut das Argument mit nicht vorhandenen Ressourcen einfach sowas von nicht. Der Prozessor ist locker schnell genug, um mit Flash zurecht zu kommen. Die Bedienung selber zeigt jedoch schon, dass es damit Spass machen würde, im Internet zu surfen.
Das iPad ersetzt jedoch keinen Computer, denn es beinhaltet niemals die gleiche Menge an Programmen wie ein Computer, bietet weniger Möglichkeiten, viele Einschränkungen, hat weder USB-Anschluss noch CD-Laufwerk, eingeschränkte Bluetooth-Funktionalität und aufgrund der komplett Touch-basierten Bedienung natürlich auch keine physikalische Tastatur. Darauf wird es wohl auch nicht besonders Spass machen, lange Texte zu schreiben oder Tabellen zu füllen / gestalten. Das Gestalten von Präsentationen könnte jedoch etwas sein, was sich gut machen liesse.
Und um das ganze noch mit einem Sahnehäubchen zu versehen wird das Tablet auch noch mit iTunes synchronisiert, benötigt also immer noch einen Mac oder PC.
- Das iPad füllt die Lücke zwischen iPhone und MacBook
Gibt es diese Lücke wirklich? Ist sie gross genug, dass das Tablet seine Berechtigung im Alltag hat? Meiner Meinung besitzt das Tablet in der momentanen Form viel zu viele Einschränkungen und bietet weder für das eine noch das andere eine wirkliche Alternative. Ein für die meisten zu teures Zwischending.
- Ein Zwischending, das doch Potential hat.
Es wäre jetzt jedoch falsch, wenn man sagen würde, dass das iPad einfach nur ein Flop wäre. Ich sehe in diesem Gerät durchaus Potential, gerade wenn man den eBook-Markt betrachtet. Der Kindle von Amazon ist zum Beispiel ein recht tolles Produkt, von welchem ich jedoch überzeugt bin, dass es niemals wirklich an die breite Masse gelangen wird (oder zumindest nicht in absehbarer Zeit). Beim iPad könnte ich mir das eher vorstellen. Es sieht gut aus, es wirkt irgendwie vertraut und es bringt eine geballte Ladung an Unhterhaltung und Inhalt.
Nur schon weil das iPad eine tolle Bedienung besitzt und die Bedürfnisse viele Leute gut abdeckt, hat es doch bei einer bestimmten Gruppe Potential, das es auszunutzen gilt. Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe, denn ich bin sowieso einer der Freaks, die gerne so viel als möglich aus ihrem Gerät rausholen wollen, und wenn auf dem Teil kein Photoshop läuft, kauf ichs nicht (überspitzt formuliert natürlich). Leute, die in diese Gruppe gehören, nenne ich jetzt mal «Freaks».
Doch es gibt eine Gruppe, die sich mit einfacheren Dingen im Alltag begnüngen. Dies soll heissen: Im Internet surfen, Mails schreiben, Facebook anschauen, Filme schauen, Musik hören, Fotos verwalten, vielleicht einige Spiele spielen, Chatten und das eine oder andere Dokument betrachten und bearbeiten. Nennen wir sie doch einfach «Consumer». Diese Zielgruppe, die sich damit begnügt, passt eigentlich perfekt zum iPad!
Es würde sich perfekt in den Alltag integrieren lassen:
Ein «Consumer» will kurz die News wissen und auf dem aktuellsten Stand sein, Information steht im Zentrum. Er schaut sich also am Morgen die neusten Nachrichten an, checkt seine Mails und schaut sich den Wetterbericht im Internet an. Unterwegs hört er einen Podcast, währenddem er noch kurz eine Präsentation gestaltet. Auf dem Rückweg schaut er einen Film und schreibt einige Mails. Zu Hause angekommen kopiert er kurz einige Fotos aufs Tablet, schreibt einem guten Freund aus China via Skype und vergüngt sich schlussendlich mit dem neusten Game von Gameloft, EA & co.
Einem «Freak» genügt dies jedoch nicht. Er möchte ohne irgendwelches SDK auf dem Tablet programmieren können, nicht auf einen Store angewiesen sein, alternative System installieren können, keine Einschränkungen, bessere Schnittstellen und am besten ein angepasstes Mac OS haben, kein iPhone OS.
Zusammengefasst
Ein gross und mit tollen Worten angekündigter und durchgeführter Event von Apple, der mich persönlich etwas enttäuscht hat. Ich habe nichts dergleichen erwartet, ich habe mich überraschen lassen und ich bin nicht nur positiv überrascht. Auf der einen Seite bietet das Tablet für «Freaks» wie mich zu wenig (zu viele Einschränkungen), auch wenn der Preis von 499.-$ recht gut ist. Der Speicher würde für mich auch definitiv zu klein ausfallen, und da es kein Ersatz für iPhone oder MacBook ist werde ich mir ein solches Teil nicht kaufen, aber bei Gelegenheit doch gerne mal testen.
Für den Normal-«Consumer» bietet das iPhone praktisch alles, was er möchte. Es kann sich gut in den Alltag integrieren und befriedigt viele Bedürfnisse – und das Ganze auch noch mit einer tollen, einfachen, schönen Bedienungsumgebung, bei dem Apple wieder einmal gezeigt hat, dass Bedienung auch logisch und toll sein kann – gleichzeitig.
Auch hat es Apple mit diesem Gerät trotz allem wieder einmal geschafft, einen gewissen «Will-ich-haben»-Effekt zu schaffen, bevor man sich erst überlegt, ob man es wirklich braucht. Denn mal ehrlich: Wer würde schon nein sagen, wenn er ein solches Teil erhielte?
Der iPad ist also für die einen wirklich ein Gerät, das man nicht wirklich braucht, aber trotzdem will und trotzdem kauft (wenn man denn das Geld hat).
Was denkt ihr vom iPad? Hat es sein Daseinsberechtigung? Könnte es sich in eueren Alltag integrieren?
Gruss,
Michael





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Kommentar von Christian Leu — 29. Januar 2010, 09:14
Also ich denke das iPad hat gute Chancen sich im Massenmarkt durchzusetzen da es alles kann was ein Normaluser abends so vor dem PC macht. Ein wenig Chatten, ein bisschen Youtube schauen etc. Du kannst mit dem iPad sogar ein Buch schreiben da es als Zubehör eine externe Tastatur gibt. Es gibt auch einen Dock – USB Converter mit dem man Digitalkameras anschliessen kann um die Bilder auf das iPad zu bringen. Und wie gewohnt wird es wohl in Kürze auch noch Bluetooth Tastaturen und andere Dinge dazu geben die das iPad vervollständigen.
Kommentar von Ronald — 29. Januar 2010, 13:59
Die Überschrift ist wirklich gut formuliert. Niemand wird dieses Gerät wirklich brauchen, denn wir haben doch Laptops und iPhones. Wozu wird dann ein Tablet benötigt, das alles kann, was ein iPhone beherrscht? Es kann nur leider nicht telefonieren. Ebenso kann es keine Videos aufnehmen oder Flash abspielen. Der Speicherplatz wurde nicht verbessert und auch Anschlüsse fehlen dem Gerät. Ich finde dafür keine Verwendung und sehe es lediglich als Spielzeug für Besserverdienende.
Kommentar von J2 — 29. Januar 2010, 17:58
Wenn ich meine Musik auf meine Anlage im Wohnzimmer streamen kann, damit Apple TV steuern kann, evtl Raumbeleuchtung, Lichtstimmungen.. ich also das iPad in die Haustechnik integrieren kann bin ich sofort dabei…
Aber im Moment ist es halt einfach nur ein großes iPhone..
Kommentar von DANNZ — 29. Januar 2010, 19:26
Wirklich guter Artikel!
Ich würde mich jetzt nicht zu den “Freaks” zählen, allerdings vom Anspruch her über dem “Consumer”, von daher ist das iPad nichts für mich. Mir fehlt auch irgendwie der super Vorteil zu nem iPod…
Btw, im 2. Absatz unter “Zusammengefasst” hast du einmal iPhone statt -Pad geschrieben ;)
Kommentar von Tom — 30. Januar 2010, 15:03
Guter Artikel, der die Zielgruppe des iPad auf den Punkt bringt! Wer’s bequem, simpel und apple-like mag (ich zähl mich zu dieser Zielgruppe) und kein Problem mit den Einschränkungen hat, bekommt auch meiner Meinung nach ein super Medien-Konsum-Pad. Die Techies und Bastler haben halt ganz andere Bedürfnisse und sollten sich das HP Slate oder das geniale Lenovo Slate/Laptop Kombigerät von der CES 2009 kaufen.
Kommentar von Michael Eugster — 3. Februar 2010, 14:06
@all: hab vorher schon einmal eine Antwort an alle Kommentare geschrieben, jedoch ist der beim Umzug auf einen neuen Server irgendwie wieder verschwunden.
@leu: Ja, ich denke auch, dass der iPad die Chance hätte, an die grosse Masse zu kommen. Was hier aber etwas lästig ist, ist dass man für zusätzlich Features immer noch irgendwelche Adapter und so kaufen muss (wie eben zum Beispiel der USB Conferier).
@Roland: Dankeschön! Gerade die fehlenden Anschlüsse sind ein Manko, das es in der nächsten Generation zu verbessern gilt, sowie auch die Einschränkungen, die das Teil nun noch hat. «Spielzeug für Besserverdienende» passt da irgendwie ganz gut, denn es scheint ja ein «Sofa-Gerät» zu sein, und nicht unbedingt für unterwegs und zum richtig Arbeiten genügt es vielen doch nicht.
@J2: Daran hätte ich auch schon gedacht, dass sich mit einem solchen Teil vieles toll bedienen liesse. Jetzt muss nur noch jemand eine solche Möglichkeit bringen und den «Mehrwert» bringen.
@DANNZ: Dankeschön! Der Fehler ist übrigens korrigiert.
@Tom: Merci :) Für den täglichen Medienkonsum mag das Gerät schon gut sein und wer nicht mehr braucht, ist mit dem Tablet «recht gut bedient», auch preislich eigentlich.
Kommentar von Jens — 3. Februar 2010, 21:34
Also wenn ich es irgendwann mal günstig zu einem UMTS Flatratevertrag dazu bekomme, dann nehme ich es , habe nämlich schon 2 Sticks und mein Vertrag läuft Ende des Jahres aus…
Trackback von _n1Ls_ — 9. August 2011, 16:57
Äpfel und Zitate…
Bei jemanden der 1338 auf dem Nummernschild stehen hat und einen Blog im Internet führt, möchte man doch eigentlich davon ausgehen, dass dieser jemand auch über das neueste Produkt von Apple, dem iPad berichtet. Tut er aber nicht. Mit gutem Grund. Für …
Pingback von m_Blog » Was taugt das iPad? – Video Review::. — 19. August 2011, 13:12
[...] WiFi erhalten. Irgendwie schon ironisch, dass gerade ich ein iPad 2 gekauft habe, wo ich doch so kritisch darüber geschrieben habe, als es raus kam. Nichts destotrotz reizte es mich, einfach einmal gegen meine eigentliche Meinung, das Gerät [...]