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CHrailwaytrip – Viel Ramsch in Luino und Apéretif im Süden

Veröffentlicht am 20.10.2012 » Keine Kommentare » Kategorie: Fotografie, Reisen von Michael Eugster

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Dies ist der vierte Teil aus meinen Berichten vom «CHrailwaytrip».

Wer reist, der lernt ja bekanntlich auch fürs Leben. So wars auch bei mir.

Zuerst lernte ich jedoch einmal, wie es in der Jugi von Lugano am Morgen abläuft. Eine typische Tessiner-Grossmami (stellt sie euch ruhig bildich und auch akkustisch vor, also quasi audiovisuell) begrüsst mich mit einem «Buongiorno» und fragt mich «Was wolle sie su trinke, eine Cafè oder eine Tee?» (bitte das «r» jeweils so richtig schön rollen beim Nachsprechen). Ich muss etwas schmunzeln, denn clichéhafter könnte die Situation im Esssaal kaum sein und bestelle mir «eine Cafè», lausche die klassische Musik und wundere mich, dass ich einer der ersten hier bin und alle beinahe zu flüstern scheinen. Normalerweise kennt man es aus Cafés, dass eine Kellnerin das Geschirr weg räumt oder man das Geschirr maximal bis zu einem Geschirrwagen trägt. Zuhause ist es selbstverständlich, die benutzten Tassen und Teller in den Geschirrspüler zu stellen. In der Jugi von Lugano findet man eine Mischform aus beidem: Hier ist es so, dass man seine Geschirr nach dem Essen zur Küche trägt und abtrocknet (nicht alle hatten den Anstand dazu).

Heute stand bei mir der Markt von Luino (Italien) auf dem Programm. Man müsse das mal gesehen haben, hat man mir gesagt. Man hat mir jedoch nicht gesagt, dass das Wort Pünktlichkeit bei den Busfahrern von Lugano auch mehr ein Witz untereinander, als was anderes ist, aber man macht ja gerne zusätzlich etwas Sport, um zum Bähnchen nach Ponte Tresa gelangen. Eine Postautofahrt von ebendiesem Dorf später treffe ich in Luino (Italien – oder soll ich doch schon eher «CH» schreiben?) und staune nicht schlecht, als ich den langgezogenen Markt sehe. Was ich noch nicht gesehen habe, ist dass der Markt bedeutend länger als nur ein Teil der Strasse ist.

Taschen, Hosen, Jacken, Schuhe, Schirme, Unterwäsche, Hüte, Taschen, Taschen, Schuhe, Röcke und natürlich überall «Ich mache dir good price!». Nach 10 Minuten habe ich die gefälschte Ware langsam gesehen und einem Händler, der 30 Euro für ne Tasche wollte klargemacht, dass ich dafür nicht so viel bezahle und später wieder komme.

Etwas später, ein älterer Herr an einem Stand mit «sexy Unterwäsche» sagt zu seiner Frau: «Lug mol, das wär doch no öppis für diich!» Schweizerdeutsch scheint hier sowieso mehr gesprochen zu werden als sonst was. An den Ständen höre ich Wortfetzen aus schlechtem Englisch, Französisch, Deutsch und sehr selten auch mal italienisch. Irgendwann hatte ich genug vom Salamiprobieren, meine Tasche habe ich für 20 Euro gekriegt und für einen Apfel einen Euro bezahlt. Viel mehr Ramsch habe ich mir nicht gekauft. Den Markt habe ich gesehen und die Verkäufer, die Kindern an der Bushaltestelle Laser mit Taschenlampe für fünf Euro verkaufen wollen sind auch nicht mehr soo witzig.

Witzig wäre ein Kurzfilm darüber gewesen, wie Michi zu Fuss zur Talstation der Standseinbahn auf den Monte Brè läuft, dabei die Distanzen unterschätzt und trotzdem noch in die Migros mit der gemütlichen Bedienung gehen muss. Der Aufwand lohnt sich. Nach Busfahrt mit stickiger Luft und viel Schweizerdeutsch erwartet mich eine tolle und windige Aussicht auf den Lago Maggiore, einene Kappelle mit erstaunlicher Akkustik und einige geschlossene Restaurants.

Das Nachtleben Luganos fühlte sich an diesem Mittwochabend belebter an als noch am Vorabend. Und auch wenn mein Mix der verschiedenen Zeitformen eine wahre Katastrophe ist, habe ich dann einen Ort gefunden, wo es mir gemütlich schien. Endlich einmal etwas anderes als Heineken-Bier! Die Bar «Caruso» scheint meinen Feierabend zu versüssen. «Menabrea» nennt es sich und es kommt aus Italien. Ich lerne gerade vom Tischnachbarn, dass der Snack, der mir gerade serviert wurde, hier im Süden zu gewissen Zeiten gratis zum Getränk serviert wird. Hab ich nicht gewusst, aber trifft sich gut und schmeckt. Ich soll übrigens mal bei der Bar «Milk» vorbeischauen. Machnwiadoch, net woa. Danach noch einige Fotos in der Nacht und ab auf den Bus.

In «meinem» Zimmer sind nun plötzlich vier Leute – keiner spricht Deutsch, Französisch oder Englisch. Jänu, ich sage etwas wie «Gute Nacht» und lösche das Licht.

In diesem Sinne: Ciao! (Italienisch)

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