MobileTicket der SBB: Nachteile, Kundenärger und hohe Preise

Veröffentlicht am: 31.10.13 | Reisen Tests & Reviews  | 5 Kommentare

SBB Mobile Ticket

Der Kunde ist König. Sollte man hoffen. Dass dies bei vielen Dienstleistungsanbietern schon seit Jahren nicht mehr so ist, ist leider traurige Realität. Aussergewöhnlicher oder kulanter Service wird zur Seltenheit.

So auch bei den Schweizerischen Bundesbahnen. Es sei ihnen anzurechnen, dass sie es immerhin fertig gebracht haben, in absehbarer Zeit ein Angebot und App aufzubauen, die es erlaubt, unterwegs Tickets zu kaufen. Wirklich neu ist das ganze jedoch nicht. Die Möglichkeit bestand ja bereits vorher, in Form eines eTickets, das sich zu Hause ausdrucken liess. Der Schritt aufs Smartphone war logisch und notwendig.

Ist doch alles Friede, Freude, Eierkuchen? Nein.
Es ist toll, dass man nicht mehr am Billetautomaten anstehen muss, um ein Billet zu kaufen. Man nimmt dabei jedoch einige, für mich nicht nachvollziehbare Nachteile in Kauf.

1) Personalisierung:
Wer über die App ein Ticket kauft, kauft ein personalisiertes Billet. Zwar kann ich für meine Kollegen auch eines kaufen, sie müssen jedoch mit mir die genau gleiche Strecke fahren. Dem Freund sein Smartphone oder seinen SBB-Login leihen? Geht nicht. Man kann nicht wie am Schalter ein anderes Ticket kaufen, sondern nur ein Mitfahrbillet. Das Billet ist also immer personalisiert und kann nicht beliebig weitergegeben werden. Wohlgemerkt: Man bezahlt trotzdem mindestens gleich viel wie am Schalter.

2) Akku leer = kein Billet = Kundenservice katastrophal
Gerade verfolgte ich über Twitter, wie Kevin Kyburz (@swissky) keinen Akku mehr hatte und ne saftige Busse erhält, weil er scheinbar ohne Billet fährt. Gegen vorweisen der gekauften Fahrkarte muss er immer noch 30.— CHF «Gebühr» bezahlen. Vergisst man sein GA zu Hause, kostet dieses vorweisen 5.— CHF.
Das ist auf verschiedenen Ebenen sehr schwach. Zum einen ist es sehr unverhältnismässig, eine solche Gebühr zu verlangen, zumal der Kunde einen gültigen Fahrausweis besitzt. Zum anderen Leben wir doch im Jahr 2013? Eine kurze online-Überprüfung sollte echt keine Sache sein. Auch technisch nicht.

Das sind wahrscheinlich noch nicht alle Punkte.

Etwas Innovation im kleinen Rahmen gefällig?

Wie wärs zum Beispiel, wenn…
1) … ich mein GA in die App eintragen kann und als Backup habe, falls meine Plastikkarte mal zu Hause geblieben ist? Sogar meine MobilBonus-App begreift anhand meiner Angaben, was für ein Plastikkärtchen ich besitze. Das kann doch nicht so schwierig sein?

2) … die SBB auch mal wieder etwas kulant und kundenfreundlich auftreten würde. So etwas habe ich nämlich in letzter Zeit selten bis nie gehört oder erlebt.

3) … die SBB die Nachteile des MobileTicket aus der Welt schafft und endlich im Jahr 2013 ankommt. Nicht nur im Social Media.

4) … eine kostenlose WLAN-Abdeckung in den Zug kommt?

5) … der Nachzuschlag abgeschafft wird?

6) … Innovationen wie in Holland eingeführt würden?

7) … gibts bestimmt noch weitere Punkte. Was meint ihr?

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  • Ich gehe mit dir einig, dass man da noch viel verbessern kann. Ist auch mühsam, wenn es genau dann nicht funktioniert, wenn man es braucht und mann den Bussfahrer mit einer 100er Note stressen muss. Ist mir gestern passiert.

    In letzter Zeit bin ich wieder lieber mit Papiertickets unterwegs. Nicht weil ich Papier mag, sondern aus rein praktischen Gründen. Wenn man mit 2 Kindern mit zugehörigen Juniorkarten unterwegs ist und noch ein Halbtax hat, dann wird es bei einer Kontrolle ziemlich umständlich, wenn man das E-Ticket auch noch auf dem Handy öffnen muss und der Kontrolleur noch mit dem Scanner Probleme hat. Dazu kommt, dass das Halbtax immer auf beiden Seiten kontrolliert wird, wegen dem Namen, der nur auf der Rückseite steht.
    Fazit: Auf Papier vorzeigen geht besser. Wobei dann das nächste Problem von den Billetautomaten, die nicht richtig funktionieren kommt. Aber das Lied singe ich ein andermal.

  • Mich wollten sie büssen, weil ich 27 Sekunden nach offizieller Abfahrzeit das eTicket auf dem Smartphone gekauft hatte. Dabei war der Zug verspätet. Ich hatte vor dem Einsteigen gekauft und nahm dann einfach den nächsten Zug ohne zu wissen,dass er eigentlich ein paar Minuten früher hätte fahren müssen. Not nice.

  • Danke Michael für deine Blogartikel.
    Ich persönlich möchte gar nicht so weit ausholen.

    Der Akku kann mal leer gehen, für das Nachzeigen des Tickets zu zahlen auch, doch finde ich die 30.- nicht gerechtfertigt wenn 1. GA Benutzer weniger zahlen, 2. ich in Bus und Tram Regionen nur 5.- zahle.

    Ich denke als Monopolfirma können die sich alles leisten.

  • Trifft es genau. Ich hab mich auch schon gefragt, weshalb das Halbtax, die Ostwindkarte, etc. nicht gleich elektronisch erfasst und überprüft werden kann. … Diese vielen Karten, sollten der Vergangenheit angehören.

    Wieso ich zuerst Werbung anschauen und wegklicken muss, auf der SBB-App, bevor ich ein Ticket kaufen darf, kann ich wirklich nicht verstehen.

    Das ein Ticket übers App nicht günstiger ist als am Schalter oder Automat, bleibt auch ein Rätsel.

    Dennoch, SBB mit der Sitzplatzreservation in APP find ich klasse und die Abfahrts- Ankunftszeiten der Züge sind in der Regel auch sehr genau.

    Würd mich freuen, wenn die SBB hier noch eine Schippe besser wird.

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