Warum du keinen Tesla probefahren solltest. Und: Autopilot!

Veröffentlicht am: 10.10.14 | Tests & Reviews  | 17 Kommentare

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Tesla sollte eigentlich jedem ein Begriff sein. Ihr erinnert euch, damals im Physik-Unterricht? Nikola Tesla? Nein? Ein Blick auf die Wikipedia-Seite lohnt sich und für die Englischsprechenden einen auf theoatmeal auch. Der Typ war genial. Und zwar in dieser Art genial, dass ihn die Firma «Tesla Motors» seinen Namen so quasi als Widmung mit in den Firmennamen genommen hat. Denn nur Dank Nikola Tesla ist es heute wohl möglich, mit solchen Elektromotoren rumzufahren, die Tesla Motors in seinen Autos verbaut.

Doch bevor ich hier nun den Geschichte-Unterricht in einer bestimmt nicht ganz korrekter Weise weiterführe, komme ich zum Punkt: Tesla Motors, oder ab jetzt kurz: Tesla, baut geile Autos. Entschuldigt die Wortwahl, aber genau so muss man das jetzt mal formulieren.

(Kein Bock auf viel Text? Hier geht’s zum tl;dr (too long, didn’t read))

Elektroautos mit schwerem Stand

Elektroautos gibt es ja schon seit einiger Zeit. Damals ist man noch mit diesen tollen dreirädrigen Einplätzern rumgefahren. Man sah es den Elektroflitzer einfach an, dass sie keine Benzinautos sind. Keine Ahnung, wieso, aber es hat bisher noch kein Auto existiert, das nicht schrie: «Ich bin ein komisches Elektroauto» (widerspricht mir, wenn das nicht stimmt). Einigen Menschen ist es vielleicht wichtig, sich durch Design von Benzinern abzugrenzen. Die Masse fands wohl nicht toll.

Die landläufige Meinung zu Elektroautos lässt sich durch einige Punkte zusammenfassen:

  • Mit Elektroautos kann man nicht weit fahren
  • Elektroautos sind technisch nicht so weit wie Benziner
  • Elektroautos bieten weniger Luxus
  • Elektroautos sind kurzlebig
    • und überhaupt sehen sie schlimm aus und sind blöd.

So ähnlich verliefen meine Gespräche mit Autoliebhabern beim Punkt Elektroautos. Es führte unter anderem dazu, dass ich in einem Modul meines Studiums an der ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste) ein Marketingkonzept ausarbeitete, um diese Missverständnisse und Vorurteile zu beseitigen. Kurzum: Ich befasste mich sehr genau und intensiv mit den Autos von Tesla und kenne die Website nun beinahe auswendig.

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Probefahren!

Es liegt nahe, dass ich nicht nur über die Autos von Tesla konzepteln wollte, sondern auch mal damit fahren möchte. Aus den Medien sollte der Tesla ja schon seit einiger Zeit bekannt sein. Damals noch mit dem Sportwagen Tesla Roadster und jetzt mit der Limousine Tesla S. Nun war der Tesla Roadster in der Tat noch nicht massentauglich und die Reichweite nicht genügend. Das war aber auch nicht das Ziel. Mit dem Model S sieht das nun definitiv anders aus. Unter optimalen Bedingungen und mit der besten Akku-Ausstattung geht’s jetzt bis zu 502 Kilometer weit. Man rechne aber realistischerweise einfach mal mit zwischen 300-400 Kilometer, da man ja auch mal richtig schnell autobahnfahren möchte. Und das Ding soll ja wirklich in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen.

Schön und gut. Aber das wollte ich sehen. Spüren. Selberfahren. Gesagt getan. Ich meldete mich auf der Website von Tesla für den Tesla Event in Zürich an, der dann leider schon voll ausgebucht war. Am Tag später rief mich ein Teslamitarbeiter (lustigerweise mit Deutscher Nummer) an, um einen neuen Termin mit mir abzumachen.

 

Warum du keine Probefahrt machen solltest

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Ich kann Christian Leu nun gut verstehen, weshalb ihm der Tesla S P85+ jegliche Freude am Autofahren verdorben hat. Mir hat’s das irgendwie auch. Da kommst du ganz entspannt nach einem Bad im Alpamare mit deiner Freundin an der Pelikanstrasse in Zürich an und schaust dir erstmal den Showroom an. Ein freundlicher Mitarbeiter erklärte uns einige Details zur Karosserie, zeigt uns den echt kleinen Motor (ich schätze, ungefähr so klein wie ein MacPro) und den gleich «grossen» Wechselrichter, der das Auto mit einer Motorenleistung von 476 PS und einem Drehmoment von 600Nm im Drehzahlbereich von 0 – 5’300 Umdrehungen pro Minute versorgt. Einige Technische Details später merkt Daniel, unser nette Berater, dass wir uns bereits gut informiert haben und eigentlich nur noch auf die Probefahrt scharf sind.

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Ich sitze also in das Auto und drücke aufs Gaspedal exgüse: Wattpedal. Und schon macht das ganze Autofahren mit Benzinern einfach keinen Spass mehr. Was man in diesem Auto erlebt, ist eine Beschleunigung, die man zwar erahnt, aber nicht so erwartet. Und ja, diese 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h stimmen. Es drückt dich so richtig in den Sitz, wie im Flugzeug. Das Auto macht dich beim Fahren einfach sprachlos.

Allen anderen Ansprüchen wird das Auto auch gerecht. Parksensoren und Kameras sagen dir genau, wie weit du noch fahren solltest (ich fands auch toll, die Rückfahrkamera jederzeit während des Fahrens mal einschalten zu können – oder die Frontkamera, die auch den toten Winkel abdeckt). Der Innenraum ist sehr grosszügig gestaltet, bietet Ablagen in der Mitte, qualitativ hochwertig verarbeitete Materialien und in der Mitte einen grossen Touchscreen, der für die Bedienung aller Funktionen verwendet werden kann. Tschüss blöde Knöpfe und Hebel. Klar, den Tempomat gibt’s auch.

Eine SIM-Karte versorgt den Touchscreen mit Internet (inkl. Roaming) und garantiert so auch die Navigation mit Google Maps. Logisch: Ist im Kaufpreis schon inbegriffen. Es gibt auch noch weitere Goodies: Man kann den Streamingdienst Rdio nutzen, sieht Verbrauchsdiagramme des Autos in Echtzeit, kann auch im Web surfen und zu allerletzt das Beste: Softwareupdates können über Nacht aufs Auto eingespielt werden. So kanns sein, dass über Nacht eine Funktion softwaremässig nachgeliefert wird. Ein WLAN-Netz kann man, muss man aber nicht verwenden. Dies wurde auch schon getan (z.B. ein Standgas beim Anfahren am Berg, sanftes Anfahren, etc.).

 

Lange Fahrten, Ladezeiten und so

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Tesla ist dabei, ein Netz von sogenannten Superchargern aufzubauen. Toller Marketingbegriff, gell? Zu Deutsch sind das Schnellladestationen. Diese «Supercharger» haben den Vorteil von kurzen Ladezeiten und sind für alle Teslabesitzer gratis. Man bezahlt nix (beziehungsweise bezahlt es bereits mit dem Kaufpreis). An verschiedenen Punkten werden diese jetzt nach und nach aufgebaut, so dass es möglich ist, lange Reisen mit den Superchargern zu realisieren. Man fährt also beispielsweise 300 Kilometer bis nach Estavayer-le-Lac, isst ein Morgenessen auf der Raststätte und fährt mit vollem Akku wieder weiter. In 40 Minuten ist der Akku bei 80%, in 75 Minuten komplett geladen.

Neben diesen kostenlosen Ladestationen können auch andere öffentliche Stationen genutzt werden. Eine lange Reise ist also schon jetzt möglich und in Zukunft erst recht möglich. Man muss einfach etwas mehr vorausplanen als beim Benzinauto. Und für kurze Pendlerstrecken lädt man das Auto bequem zu Hause über Nacht und plant die Ladung so, dass man den Niederstromtarif bezahlt. Aber klar: Man muss sich bewusst sein, dass noch nicht überall eine solche Schnellladestation an strategisch geschickten Punkten vorhanden sind. Tesla wird da in den nächsten noch nachrüsten und das Fahrerlebnis auf langen Strecken so noch um einiges besser machen.

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Wem die Sicherheit wichtig ist: Der Tesla hat als erstes Auto das beste Sicherheitsrating erhalten. Dank geschickter Akku- / Gewichtsverlagerung befindet sich der Schwerpunkt des Modell S sehr weit unten. Mit gängien Sicherheitssystemen (ABS, EPS, Airbag, etc.) ist das Auto auch ausgerüstet. Wäre ja gelacht, wenn nicht.

Seit Oktober 2014: Autopilot!

Etwas kritisiert wurde am Tesla, dass er nicht den gleichen Fahrkomfort biete. Damit sollte wohl ab jetzt Schluss sein. Elon Musk, Gründer von Tesla Motors, hat eine neue Modell-Linie «D» vorgestellt, die einen Allradantrieb anbietet. Zudem werden alle Modelle, die jetzt produziert werden, auf Wunsch mit einer Autopilot-Funktion ausgerüstet. Konkret bedeutet dies, dass die entsprechenden Entfernungssensoren und Kameras verbaut werden, damit die Software unter anderem in Zusammenarbeit mit GPS und Verkehrsinformationen alle bekannten Features wie Fahrbahnkorrektur, Abstandshalter und selbständiges Einparken bietet.

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Doch Tesla hat die Nase vorn. Das Auto soll bis zum nächsten Jahr vollkommen autonom fahren können. Das kann es teilweise jetzt schon. Es fährt die Kurve, wenn du einschläfst und man kann sich vom Auto abholen lassen, ohne dass ein Fahrer benötigt wird. Die momentane Gesetzeslage erlaubt jedoch die unbemannten Fahrzeuge erst auf Privatgelände. In Zukunft wird sich dies wohl noch ändern. Hier wird Tesla auch die Software noch nachbessern, Funktionen nachliefern, die mit der jetzigen Hardware möglich sind.

 

Fazit – oder tl;dr

Langer Rede kurzer Sinn: Ihr solltet keinen Tesla probefahren. Zu sehr verdirbt es einem den Fahrspass, wenn man anschliessend wieder auf einen Verbrennmotor rumfährt. Die Beschleunigung ist beeindruckend und lässt jeden Ferrari an der Ampel stehen. Seit dem Modell S bietet Tesla einen Komfort, der sehr gut mit einer Limousine zu vergleichen ist. Und: es bietet noch mehr Stauraum, da vorne kein Motor in der «Motorhaube» schlummert. Die Verarbeitung ist hochwertig, die Mittelkonsole ist dank Touchscreen endlich einmal einfach und dank Anbindung ans Funknetz hat man jederzeit drahtlos die Software auf dem aktuellsten Stand. Seit Oktober 2014 kann man sein Auto gar mit Autopilot und Allradantrieb bauen lassen. Weite Strecken sind bereits jetzt möglich und da das Supercharger-Netz stets ausgebaut wird, wird es in den nächsten Jahren immer angenehmer. Und alles in allem müsste ich jetzt eigentlich nur noch das Geld haben, mir einen solchen Wagen zu kaufen. Ich glaube, dass Tesla den Automarkt gehörig auf den Kopf stellen wird – oder teilweise bereits gemacht hat. Elektroautos werden langfristig die Zukunft sein. Und falls Tesla 2017 tatsächlich ein massentaugliches erschwinglicheres Auto auf den Markt bringt, dann wird Elon Musks Unternehmen nicht nur auf der Strasse, sondern auch erfolgmässig anderen Firmen davonfahren.

Wahrscheinlich habe ich noch viele Dinge in diesem Blogbeitrag vergessen. Und trotzdem wurde er so lang. Habt ihr noch Fragen? Was haltet ihr persönlich von diesem Elektroauto?

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