10 Monate Eltern und die Sache mit den Kinderfotos im Internet

Veröffentlicht am: 18.02.20 | Aus dem Leben  | Keine Kommentare

Anfangs April 2019 stellte ein kleiner Knopf unser ganzes Leben auf den Kopf. Wir waren «plötzlich» zu dritt. Dass der Hund im Haushalt auch auf einen Schlag deutlich weniger Aufmerksamkeit erhielt, war bloss eine der Veränderungen. Wie sieht unser Leben aus meiner Perspektive etwas mehr als 10 Monate und etwa 1’500 Windeln später aus? Ein kleiner Rückblick.

 

Kinder- und Babyfotos im Internet

Eines vorneweg: Wer meine Frau und mich im Internet etwas verfolgt hat, merkt: Es gibt sehr wenig Fotos, auf denen man unseren Sohn sieht. Das Gesicht unseres Babys präsentierten wir ganz im Gegensatz zum (Facebook-)Freundeskreis nicht im Internet – bewusst. Wir versuchen, den digitalen Fussabdruck von unserem Nachwuchs klein zu halten. Klar, uns zuckt es in den Fingern, wenn wir wieder einmal ein süsses Foto gemacht haben. Am liebsten würden wir es der ganzen Welt zeigen. Aber wir haben uns bewusst dazu entschieden, es nicht zu tun. Unser Sohn soll später selber die Entscheidung treffen dürfen, wann und wie er im Internet präsent sein möchte.

Bis dahin gibt es mal einen Fuss, mal eine Hand oder auch mal der ganze Sohn von hinten. Das kann auch ganz süss sein, oder? Für mich, der mit seinem Beruf natürlich viel mit Social Media in Berührung kommt, war es wichtig, dass wir uns als Eltern in diesem Punkt einig sind. Und deshalb findet ihr höchstens einmal eine Instagram- oder WhatsApp-Story, auf der wir unsere Erlebnisse in ausgewählten Fällen ausführlicher zeigen.

Schlafen kann man auch weniger und wo ist die Freizeit hin?

Und, was hat sich nun geändert? Rückblickend kann ich das gar nicht mehr so genau sagen. Ausser, dass kein Ratgeber wirklich hilft, sich auf die neue Lebenssituation vorzubereiten. Ein bisschen vielleicht. Aber am besten weiss man es erst, nachdem man es selber erlebt hat. Nachträglich hätten wir vermutlich das Kinderzimmer und den Wickeltisch etwas anders eingerichtet und vielleicht auch etwas andere Kleider für den Anfang gekauft – aber in den Rest wächst man als Familie schnell rein.

Was sich aber ganz klar ändert, ist der eigene Lebensmittelpunkt. Wo vorher – nachträglich gesehen – erstaunlich viel Freizeit war, in der man auch mal zurücklehnen und nichts tun konnte, verlangt heute ein kleines Geschöpf zu Recht nach Aufmerksamkeit. Ich wurde mir bewusst, wie oft ich in solchen Zeiten sonst wohl am Smartphone etwas gemacht hätte. Oder aber auch am Computer Blogposts wie diesen hier geschrieben hätte. Wer Kinder hat, lernt, sich seine Zeit bewusst einzuteilen. Und lernt es zu schätzen, Zeit für sich, Zeit zu zweit als Paar und Zeit als Familie zu haben. Und um noch zum Zwischentitel zu sprechen zu kommen: Nein, er schläft noch nicht durch. Irgendwie schafft es der Körper der Eltern aber auch mit weniger Schlaf. Und als nicht-stillender Mann kann ich ja sowieso weniger klagen.

 

2020 und Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wenn sich die Familiensituation ändert, muss man auch gemeinsam entscheiden, wie die berufliche Situation aussehen soll. Meine Frau arbeitet wieder, nun aber in einem Teilzeitpensum und ich wie bisher 80% und 20%. Wenn wir unsere (Schwieger-)Eltern nicht hätten, die uns in der Betreuung unseres Sohnes unterstützen, wären wir auf externe Betreuung angewiesen. Oder wir müssten unsere Arbeitspensen klar reduzieren, was für uns finanziell momentan nicht drin liegt.

Und wie sieht es bei anderen Themen aus? Man könnte meinen, dass im Jahr 2020 Dinge wie Home Office und Teilzeitarbeit kein Thema mehr zur Diskussion sein sollten. Zwar habe ich das Glück, mit ZURIGA einen Arbeitgeber der familienfreundlicheren Sorte zu haben, der mir sehr flexible Arbeitszeiten erlaubt. Wir mussten aber merken, dass dies längst nicht bei jedem Arbeitgeber der Fall ist. Und wenn wir gerade schon dabei sind: Dass man als Mann gerade einmal einen gesetzlich garantierten Tag frei erhält, um vielleicht bei der Geburt anwesend zu sein, um dann bitte wieder hopp Bruttoinlandsprodukt steigern, halte ich für ein ziemliches Armutszeugnis der Schweiz (Podcast-Tipp: «Einfach Politik», «Was kostet der Vaterschaftsurlaub?»). Leisten könnten wir es uns nämlich. Für die ersten Wochen war es für mich und meine Frau sehr wertvoll, dass ich mehr zu Hause sein konnte. Mein vorheriger Arbeitgeber schenkte mir dafür sogar 5 Arbeitstage, aber ich nahm 2 zusätzliche Wochen meiner Ferien. Das hat sicher sehr gelohnt – dafür fehlten die Ferientage halt später.

 

Es bleibt spannend – jeden Tag

Eines ist klar: Mit Kindern wird jeder Tag spannend. Es braucht viel Energie, man opfert Schlaf und Freizeit und erhält dafür die schönsten Erlebnisse, die man sich vorstellen kann. Es ist jede Mühe wert! Denn es ist einfach ein Wunder, was ein so kleiner Mensch jeden Tag lernt. Und wir als Eltern lernen auch, bewusster zu leben und die Welt neu zu entdecken. Ich bin überzeugt, 2020 wird mindestens so spannend und toll wie 2019. Bestimmt sogar noch besser!

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