Eine Weihnachtsgeschichte

Geschrieben am 27.12.2011 um 11:13 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Poetext, Quatschstory.

Keuchend bleibt Sophia stehen. Irgendwie hat sie sich die Vorweihnachtszeit anders vorgestellt. Übrigens heisst Sophia gar nicht unbedingt Sophia. Ihr Name könnte ein x-beliebiger anderer Name sein. Ein hässlicher Name würde wohl besser zu ihr passen. Hildegard. Ulrike. Klothilde. Uwe. Oder so. Aber bleiben wir vorerst mal bei Sophia, denn die Geschmäcker bei schlechten Namen gehen so weit auseinander, dass wir einfach einen anderen Namen nehmen für diese Geschichte.

Da steht sie also, schweisstriefendes Gesicht und selbstverständlich hat sie noch nicht alle Geschenke. Da fehlt noch eins. Mindestens. Zumindest kann sie sich nur an ein Fehlendes erinnern, wird sich dann zu Hause die Hände an die Stirn werfen und merken, dass da noch eines gefehlt hat. Doch jetzt muss zuerst mal ein Geschenk für den Vater her.

Doch was schenkt man einem Vater? Ein Gutschein ist zu plump, ein Kasten Bier wär zwar ideal, aber da hätte die Mutter nicht so viel Freude daran. Kinogutschein? Ach, auch ein Gutschein – plump. «Vielleicht ein Pack Spaghetti?», denkt Sophia und grinst dabei. Ihr Humor war schon immer eine Sache für sich, aber wir wollen jetzt nicht abschweifen in dieser Geschichte.

Sie geht weiter. Schaufenster voller Schokolade, Pralinen, Weihnachtskreationen. Schaufenster, geschmückt mit Glitzer, mit Lampen, mit künstlichem Schnee. Alles glänzt und strahlt, eine perfekte Weihnachtsillusion, damit Leute wie Sophia möglichst viel Geld in die Kasse der Geschäfter spülen. Da eine fünfstöckige Torte aus Vanilleeis, dort ein Stand mit Glühwein und an der anderen Ecke überteuerte «Heisse Maroni» vom italienschen Mann, der um die Wette grinst, als gäbe es keinen Morgen.

Alles scheint perfekt, alle scheinen sich zu freuen. Aber, ich hoffe ihr habt es nicht schon vergessen, Sophia hat ja noch kein Geschenk für ihren Vater. «Wie wärs mit einer Flasche des besten, alten Irish Whiskeys im Laden nebenan?» Die Antwort auf diese Frage beantwortet schon ein kurzer Blick ins Portemonnaie. Sie heisst: «Nope».

So geht sie weiter. Sternchen an den Fenstern, Glitzerzeug an den Fichtenbäumen, künstlicher Schnee in den Schaufenstern. Es will einfach nicht aufhören.

Da sticht ihr plötzlich ein Geruch in die Nase und sie realisiert: Das muss sie unbedingt haben. Koste es, was es wolle – Moment! Nicht ganz. Da wäre ja noch ihr schlankes Portemonnaie. Aber lassen wir das für ein Mal. Es ist ja schliesslich schon bald Weihnachten und da soll man nicht knausrig sein. Es riecht nach Zimt. Ein Geruch, der dich verführt, in andere Welten bringt. Jaaa, es riecht so gut. Sie bleibt stehen und hat plötzlich ein perfektes Geschenk für ihren Vater. Da kann er sich selber was Tolles zusammenmischen. Ein Kaffee mit Zimtgeschmack und einem Schuss Whiskey, der ja sowieso bei ihm rumsteht.Warum also sich die Mühe machen und einen Whiskey kaufen?

Sie kramt ihr letztes Geld hervor und kauft sich die Zimt-Kräutermischung, lässt es noch hübsch einpacken. «So, das wäre mal geschafft», denkt sie sich und macht sich endlich auf den Weg nach Hause.

Eine Tasse mit heissem Kaffee, das hat sie sich jetzt verdient. Sie freut sich schon auf die strahlenden Gesichter ihrer Eltern, ihres Bruders. Gerade möchte sie sich schlafen legen, als ihr Telefon zu klingeln beginnt.

«Was fällt dir eigentlich ein, an Weihnachten nicht aufzutauchen?», klingt es aus dem Hörer.

Das Display zeigt das Datum.

27. Dezember.

1’095 Tage in der Blogosphäre – 3 Jahre mit Herz und Blut

Geschrieben am 20.12.2011 um 8:00 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Allgemein, Life.

Es ist schon fast unglaublich. Was einmal einfach so aus einer Idee «aus dem Bauch heraus» entstand, wurde zu einem Blog. Da feierte man das erste, das zweite Jubiläum, präsentierte gar seine Maturaarbeit unter dem Titel «bloggerfilm» vor grossem Publikum und jetzt habe ich 18 und der Blog auch schon 3 Jahre auf dem Buckel. Ich bin nicht mehr Kantischüler, sondern bin Praktikant als Videojournalist.

In meinem Leben hat sich in den letzten Jahren so viel geändert, dass ich gar nicht wüsste, wo ich beginnen sollte. Ich habe etwas weniger gebloggt. Weniger applelastig, weniger Technews (kann man ja eh überall lesen) und mehr Eindrücke, Erfahrungen, Tipps, Perlen und so. Mehr ich. Dass das dies auf Anklang stösst, zeigen meine Besucherzahlen, die sich trotz weniger Beiträge immer in einem schönen Bereich mit leichter Tendenz nach oben bewegen.

Und so verzichte ich für ein Mal auf einen Jahresrückblick, auf die achsotollen Wünsche für die kommenden «Festtage» (für viele eher Stresstage) und auf einen tollen philosophischen Spruch am Schluss. Aber wer wissen möchte, was denn in der Welt so bedeutendes passiert ist gegooglet wurde, der soll doch einfach mal auf der tollen Seite «Google Zeitgeist» vorbeischauen (nebenbei: ganz ohne Flash, dafür mit viel HTML5).

Stay hungry, stay foolish. (Oh, ich habs doch getan. Aber der Spruch stammt von Steve Jobs.)

Alles eine Frage der Perspektive. Aber ich bin ANDERS.

Geschrieben am 17.12.2011 um 17:52 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Fotografie, Poetext.

Ganz normal bin ich nicht, das ist mir klar. Doch «normal» gibt es nicht. Wenn ihr dies durchliest, wer von euch würde sagen, er sei normal, ja durchschnittlich, wie «alle anderen»? Nur existiert etwas wie ein Durchschnitt nicht. Er existiert nur in unseren Köpfen. Da mag es noch so tolle durschnittliche 17°C in einem Land sein, aber es kann auch mal arschkalte -3°C haben (ich weiss, bestimmt ein blödes Beispiel, in Mathe bin ich ja sowas von der King – NICHT).

So sind wir doch alle ein bisschen anders, individuell.

Und so wie viele Dinge, ist alles nur eine Frage der Perspektive. Das merke ich sehr extrem beim Fotografieren und Filmen. Ich brauche meine Ruhe, wenn ich wirklich kreativ sein möchte. Man kann ein Bild insezenieren, so scheinen lassen, wie man sich das im Kopf vorstellt. Plötzlich sind Türklinken Kunstwerke, die hässliche Weihnachtsbeleuchtung ein Meer aus Lichtern und das knallgrüne Kreuz der Apotheke (oder, pardon, Drogerie?) bietet ein wunderbare Symmetrie.

Man muss es nur einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen. Den finde ich meistens nur, wenn ich mich wirklich aufs Fotografieren einlasse. Plötzlich sehe ich die Umgebung wie mit anderen Augen.


Apothekensymmetrien

Apothekensymmetrien II

Hinteren Eingang benutzen…

Türklinke

Kirchenstern

Schirmstern

Stern im Asphalt

Sternenmeer

Cee-Roo: Was Mixtapes, Plattenspieler und Omeletten gemeinsam haben

Geschrieben am 05.12.2011 um 8:30 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Musik.

Cee Roo

Es gibt sie doch noch: die kreativen Menschen mit verrückten Ideen. Der Typ nennt sich «Cee-Roo» (obwohl er mehr als nur Zero ist), trägt als Markenzeichen immer eine Kappe und seine typische Brille und tischt uns seine Werke mit einer Prise verrücktem Humor und Charme auf.

Er macht Mixtapes auf seine eigene Art und bietet sie auf seiner Facebook-Seite zum Download an, auf seinem Youtube-Channel findet man einige kreative Videos mit seinen Remixes.

Hier drei seiner kurzen Videoclips. Der erste zeigt, was man mit einem Plattenspieler sonst noch so machen kann (oder wie ein Remix analog entstehen könnte):

Daft-Punk und tolle Videoeffkte kombiniert:

Zum eigenen Remix auf der ganzen Welt tanzen:

Auf diesen Bieler bin ich übrigens dank Jeremy Kunz gestossen, der in seinem letzten Blogpost einen Video von ihm eingebettet hat. Der Typ reist nämlich auch mit L’TUR, wo Jeremy arbeitet.

Signatur

Die böse Piratenjugend, Kultur und der Bundesrat

Geschrieben am 01.12.2011 um 15:00 von Michael Eugster, abgelegt in der Kategorie Musik.

Musik

Heute sah ich einen Artikel in der Wiler Zeitung und im Klein Report Newsletter, dass der Bundesrat beschlossen hat, dass es keine neue Gesetze bezüglich Downloads im Internet notwendig sind. Anscheinend geben wir noch gleich viel für Kultur aus. Weniger für CDs und Downloads, dafür mehr für Konzerte und Merchandising. Die Künstler verdienen damit Geld, dafür weniger mit CD-Verkäufen.

Nun ein Zitat, lasst es auf euch wirken:

«Wenig erfreut über diese Haltung ist ist Suisa, die Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Musikverleger der Schweiz und Liechtensteins. «Wie sollen Kreative künftig ein grösseres zahlendes Publikum erreichen, wenn ihre Werke und Darbietungen im Internet ohne Schutz kostenlos verbreitet werden?», fragt sie rhetorisch in einem Communiqué vom Mittwoch.»

Moment. Dadurch, dass die böse Jugend die Musik gratis aus dem Internet zieht, können Musiker innerhalb von kurzer Zeit viel mehr Leute erreichen. Eigentlich unabhängig von ihrem eigenen Budget. Damit haben sie schon einmal ein riesiges, potentiell zahlendes Publikum erreicht. Denn diese geben ja Geld für Konzerte und Merchandise aus, wenn sie die Künstler cool finden. Liebe SUISA, nur weil ihr durch diese Umverteilung weniger Gebühren einkassieren könnt, ist das nicht per se schlecht. Oder?

Edit: Übrigens passend zum Thema hat Jan Delay vor wenigen Tagen auf seiner Fanseite einen Status geschrieben, wo er diese Downloads kommentiert:

mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!

Da gibts eigentlich nichts anzufügen, ausser: Wenn ihr die Arbeit von Künstlern wirklich toll findet, unterstützt sie, egal in welcher Form.

Signatur

(Inspiration via Wiler Zeitung und Klein Report)